Wickelvolontariat für Väter oder warum Mütter energischer die Elternzeit verhandeln sollten

Foto: Pixaby
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 „Es war von Anfang an klar, dass sich mein Mann gleichberechtigt beteiligt – aber über die genaue Aufteilung mussten wir etwas diskutieren.“

 

 (Dr. Sonja Schmittmann, Carbon Service & Consulting GmbH & Co.KG)

Nach wie vor nehmen Frauen deutlich häufiger Elternzeit in Anspruch als Männer. Im Jahr 2019 lag der Anteil an Frauen in Elternzeit mit einem Kind unter 6 Jahren bei fast 25 %. Unter den Vätern traf dies nur auf 1,6 % zu (Quelle destatis).

 

Die Zahlen sind ernüchternd, wenn man bedenkt, dass wir in einem Land voller, moderner Väter leben, die auch mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen und sich als gleichberechtigte Partner sehen. Wie passt diese Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit zusammen?

Natürlich sind es oftmals finanzielle oder betriebliche Gründe, die dazu führen, dass Väter lediglich die zwei Monate Elternzeit nehmen. Für Paare, die sehr gut oder sehr ähnlich verdienen, ist eine partnerschaftliche Aufteilung der Elternzeit leichter zu realisieren. Für Paare, in denen der Mann deutlich mehr verdient, eher weniger.

 

Für Paare, die bei einem familienfreundlichen Arbeitgeber arbeiten, ist das Nehmen einer längeren Elternzeit ebenfalls leichter. Diese Unternehmen motivieren in der Regel beide Seiten: Frauen können aufgrund von flexiblen Arbeitszeitmodellen, Home Office Lösungen oder sogar Unterstützung bei der Kinderbetreuung schneller wieder in den Beruf zurückkehren; Männer wissen, dass sie bei einer längeren „Elternzeit Auszeit“ nicht mit Karriereknicken zu rechnen haben und „Papa Monate“ in der Unternehmenskultur selbstverständlich sind.

 

Auch in den Köpfen festsitzende „alte“ Rollenbildern können Entscheidungen beeinflussen, wie die Elternzeit partnerschaftlich aufgeteilt wird. Vielleicht ist der öffentliche Diskurs über Vielfalt von Geschlechterrollen doch noch nicht so weit fortgeschritten wie er sein sollte. Sind die Angebote, die Unternehmen ihren männlichen Beschäftigten machen und sie zu einer längeren Elternzeit motivieren sollten noch nicht transparent genug? Fordern Mütter immer noch zu wenig ein oder trauen ihrem Partner nicht zu, dass er sich genauso liebevoll und aufmerksam um das Kind kümmern kann?

 

Im Beruf müssen Frauen und Männer sehr oft verhandeln, um etwas zu erreichen. Ein besseres Gehalt bekommen beispielsweise diejenigen eher, die fragen, als still darauf zu warten.

Vielleicht müssen beide Seiten – Frauen und Männer – im privaten Bereich lernen zu verhandeln und deutlicher die Wünsche formulieren, so wie Dr. Sonja Schmittmann.