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Corona und die Frauen – ein Schritt vor, zwei zurück?

Seit Wochen hält uns die Coronakrise im Griff. Eltern werden Freitag, den 13. März nicht vergessen, als ihre schulpflichtigen Kinder mit vollgepackten Ranzen vor der Türe standen und mitteilten, dass Montag keine Schule mehr stattfindet. Spätestens an diesem Punkt brach das schon zu normalen Zeiten oftmals fragile Netz berufstätiger Eltern zusammen: Tageseltern, Kindergarten oder OGS, Schule und betreuenden Großeltern fielen plötzlich weg. Und unser Alltag und somit auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war ein anderer.


Doch besonders hart traf es diejenigen, die bereits in prekären finanziellen Verhältnissen leben, für die Homeoffice Wunschdenken ist oder die in systemrelevanten Berufen arbeiten und bei tagtäglicher Arbeit dem Virus ausgesetzt sind. Die rund 1,6 Mio. alleinerziehenden Müttern in Deutschland sind gefährdet, die Verlierer der Krise zu werden. Und dabei haben wir noch nicht über die Auswirkungen für unsere Kinder und deren Bildung gesprochen.


Wenn Netzwerke zur Betreuung wegbrechen, Kitas und Schulen geschlossen sind, kommt meist für die Frauen, die immer noch den Hauptteil der Care-Arbeit übernehmen, die Aufgabe des Arbeitens mit zeitgleicher Kinderbetreuung und je nach Kindesalter auch noch das Homeschooling hinzu.


Unternehmen aus der Region Aachen berichten, wie sehr Frauen plötzlich wieder in alte Rollenmuster zurückgedrängt werden: Die männlichen Teamkollegen arbeiten weiter wie bisher – ob im Home-Office oder im Büro – meist aber ungestört. Die Kolleginnen haben dagegen den Spagat zwischen Home, Office und Family zu meistern. Und sie berichten von Mitarbeiterinnen, die schildern, kurz vorm Burnout zu sein. Aber es gibt auch Positivbeispiele: ein Ehepaar, das sich Arbeit, Kinder und Haushalt fifty-fifty teilt.  

 

Auch Bundesfrauenministerin Franziska Giffey verweist auf erste Umfragen, die belegen, dass Frauen eher ihre Arbeitszeiten verkürzen als Männer, um die anfallende Sorgearbeit zu leisten. Die Logik dahinter ist in vielen Fällen eine wirtschaftliche: Männer arbeiten meist Vollzeit und sind die Hauptverdiener. Im Sinne der Gleichstellung ist das jedoch nicht. Dass viele Frauen während dieser Doppel- und Dreifachbelastung befördert werden, ist eher unwahrscheinlich. Es wirft sie eher zurück oder sie treten weiterhin beruflich auf der Stelle, während ihre Partner Karriere machen (dürfen). Frauen sollten gezielt Unterstützung einfordern, von ihrem Partner, ihrem Arbeitgeber und Institutionen. Gleichberechtigung und Familienfreundlichkeit zeigen sich auch und besonders in der Krise – und sind wichtiger denn je.


Katja Heßeler, Team Kompetenzzentrum Frau und Beruf

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