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Home-Stories • Zwischen Ritterburg, Puzzle und Telefonkonferenz

Die Nachricht

Als unser elfjähriger Sohn vor zwei Wochen freitags mit den Worten „Die Lehrer haben gesagt, wir sollen alles einpacken -  vielleicht ist nächste Woche die Schule zu“ vor dem Gymnasium ins Auto stieg, beschlich mich schon ein komisches Gefühl. Wussten die Lehrkräfte vielleicht schon mehr als wir? Auf der Fahrt zur Schule hatte ich im Radio gehört, dass mehrere Bundesländer bereits beschlossen hatten, Kitas und Schulen bis zu den Osterferien zu schließen.

 

Freitagnachmittag fiel die Entscheidung auch in NRW:  Ab Montag brach uns also nun die Betreuung für unsere 5-Jährige Tochter weg – Kita zu – und für unseren Sohn – Schule geschlossen. Die Großeltern fielen ebenfalls aus (Risikogruppe).

 

Mein „Was nun“ leichtem panischen Gefühl wurde direkt am Freitagnachmittag durch die Mitteilung meiner Chefin und unserer Geschäftsführung gemildert. Ich darf Home Office machen, puh! Erleichterung machte sich breit.

 

Der Plan

Doch Home Office mit zwei Kindern? Freitagnachmittag erstand ich in der Stadt noch schnell ein Vorschulheft, ein Lückkastenbuch, ein Buch für den Großen, ein Spiel…ein bisschen neue Anregung, sich auch mal länger „alleine“ zu beschäftigen.

 

Am Wochenende machten mein Mann und ich dann mit den Kindern einen „Stundenplan“. Unser Großer, der sich auf „Corona Ferien“ mit „Hey ich kann ausschlafen, ich habe frei, keine Deutscharbeit nächste Woche, jipiiee“ gefreut hatte, stimmte zähneknirschend zu. War doch neben meiner Forderung, „super, dann kannst du endlich mal die Englisch-Vokabeln wiederholen“ Zeit für sein geliebtes nintendo Spiel eingeplant. Wir unterteilten den Plan nach „Pflichten“ vormittags (wenn ich arbeite) und "Freizeit" nachmittags ein. Die Kinder durften sich Dinge wünschen, die wir am Nachmittag gemeinsam in Haus und Garten machen. Am Schönsten fand ich den Wunsch unserer Tochter „Party machen“ – mal gucken, wie wir das ohne soziale Kontakte hinbekommen ;-)

 

Wir räumten auch die Kinderschreibtische auf. Es sollte deutlich werden, dass auch die Kinder einen festen Platz haben, wenn ich arbeite. Das klappt ganz gut. Unseren Sohn sehe ich vormittags „fast“ gar nicht. Er bearbeitet den Lernstoff der Schule selbstständig. Da dieser wirklich jeden Tag mit den kompletten Stundenplanfächern abdeckt, ist er gut versorgt. Unsere fünfjährige Tochter versucht ihrem großen Bruder nachzueifern und macht „Vorschulhausaufgaben“ – nicht immer nur in ihrem Zimmer und auch nicht 5 Stunden lang ;-) . Heute beispielsweise steht das Spielzelt unserer Tochter bei mir im Arbeitszimmer und sie hört eine CD mit Kopfhörern. ;-) auch die Playmobilkisten haben einen neuen Aufenthaltsort gefunden…

 

Die Struktur

Unser Tag hat eine feste Struktur. Wir stehen auf wie immer („Och Mann Mama, noch nicht mal ausschlafen darf ich..“..jaaa auch das „Gezeter“ lässt langsam nach), ich mache Brotdosen für die Kinder für die Pause im Garten – das erspart mir das ewige „Ich hab Hunger, Mama“ und Störungen bei der Arbeit – das muss bis mittags halten und sie können daraus essen, wann sie wollen. Und die Brotdosen sind nun mittags immer leer – das war zu Schul- und Kitazeiten nicht immer so, wobei -  vielleicht liegt das auch an den Süßigkeiten, die ich nun einpacken „darf“.

 

Mit meinen Kolleginnen führe ich in regelmäßigen Abständen Video- und Telefonkonferenzen durch. Einige sind ebenfalls im Home Office – andere im Büro. Dass zwischendurch unsere Tochter mal kurz in die Kamera winkt oder unser Sohn mit dem Zollstock durch den Raum läuft („Matheaufgabe Mama, ich soll den verwinkelsten Raum in unserem Haus messen“), stört keinen der Teilnehmerinnen – haben doch alle Kinder - große oder kleine. Im Gegenteil, es wurde fröhlich zurück gewunken.

 

Meine Erfahrung mit dem Videoanruf über WhatsApp setzte unser Großer nachmittags direkt begeistert mit beiden Großeltern um. Die freuten sich auch– die Möglichkeit mit mehreren Teilnehmern gleichzeitig zu telefonieren, kannten noch nicht einmal unsere sonst doch Technik affinen Eltern.

 

Und nicht nur das, wurde doch mein pensionierter Vater, früherer Schulleiter mit Fach Mathe, direkt von unserem Großen – per WhatsApp –eingeladen und für den Mathematikunterricht rekrutiert: „Opa, komm erklär‘ uns mal schnell das neue Mathethema, ach übrigens meine beiden Freunde C. und M. können dich auch hören. Win Win für alle ;-)

 

Das Zwischenfazit

Nach mittlerweile zwei Wochen kann ich sagen, dass es für uns alle zwar eine Umstellung ist, aber eine die gut gemeistert wird. Es braucht klare Regeln und Absprachen und vor allem eine Struktur, die beibehalten bleibt, gerade wenn man mit Kindern arbeitet. Na ja, auch ich bin etwas freigiebiger mit dem Nutzen des medialen Entertainments und dem Essen von Süßigkeiten ;-)

 

Ganz entscheidend ist jedoch das Gefühl, dass ich weiß, dass ich eine Chefin habe, die mir vertraut. Die weiß, dass ich auch im Home Office meine Arbeit leiste und dass die im Büro gemachte Kaffeepause hier zu Hause vielleicht eher die Pause ist, in der ich mal kurz die Englischaufgabe erkläre. Die mit mir und meinen Kolleginnen immer in Kontakt ist und Arbeitsinhalte weiterhin abgestimmt und verteilt werden – nur eben auf anderen Wegen ;-) 

 

Bei einer Aktion, die auf die Initiative von Kindern in Italien zurückgeht, haben wir auch mitgemacht:  Einen Regenbogen zu malen und sichtbar an das Fenster zu hängen. Wenn man spazieren geht – was man ja noch darf – können die eigenen Kinder diese zählen und wissen dann, wie viele andere auch zu Hause sein müssen. Die Kinder wissen dann, dass sie nicht alleine sind.

 

Ich überlege übrigens gerade, ob ich nicht auch ein Symbol entwickeln soll – für im Home Office arbeitende Eltern ;-), das die Botschaft vermittelt: Ihr seid nicht allein, haltet durch, bei dieser anderen Art der Belastung, aber seid froh und dankbar, dass ihr diese Möglichkeit der Arbeitsform und dass ihr das Vertrauen Eurer Vorgesetzten habt.

 

Ich jedenfalls bin sehr froh, in dieser Zeit die Möglichkeit zu haben, so arbeiten zu können.

 

Beitrag und Bild von: Marena Nathalie Ostermann

 

 

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