1. Workshop „Führung in Teilzeit“ für die Mitgliedsunternehmen des Kompetenznetzwerks

Not macht erfinderisch – ansteckungsfrei durch das erste Digitale Netzwerk Event am 04. März 2020.

Da die Präsenzveranstaltung für die Mitgliedsunternehmen des Kompetenznetzwerks "Familienfreundlichkeit Unternehmen Ihrer Region" aufgrund des Corona-Virus aus Sicherheitsgründen kurzfristig abgesagt wurde, haben die Unternehmensberaterin Gerda Köster und das Team vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf schnell reagiert und ein digitales Netzwerktreffen realisiert. So mussten die Mitgliedsunternehmen nicht auf den inhaltlichen Input zum Thema „Führung in Teilzeit“ sowie den Austausch untereinander verzichten. Besonders erfreulich war, dass vorher nicht angemeldete Personalverantwortliche durch die Ortsunabhängigkeit Zeit zur Teilnahme fanden.

Zu Beginn fragte Gerda Köster die Teilnehmer*innen nach welchen Kriterien diese Führungskräfte auswählen.

 

 

„In der Vergangenheit haben wir mehr auf die fachliche Kompetenz geschaut, jetzt sind es eher die sozialen.“ (Daniel Koch, GAT)

 

„Früher haben wir die zu Führungskräften gemacht, die fachlich die besten waren. In den letzten Jahren hat es nicht viele Führungskräfte bei uns gegeben, wir setzen auf Selbstorganisation, wobei ich die Theorie habe, wenn man jemanden zur Führungskraft macht, muss man genau auf weichere Faktoren achten.“ (Silke Barthel, SOPTIM AG)

 

Die Unternehmensberaterin verdeutlichte, dass die Führungskraft in ihrer Rolle neben der inhaltlichen auch die personale Verantwortung innehat. Darüber hinaus nimmt sie eine essentielle Schlüsselposition ein. Führungskräfte sind diejenigen, die den größten Einfluss darauf haben, wie sich das Arbeitsleben beeinflussen lässt und werden in vielen Unternehmen leider noch zu wenig nach dem Kriterium „soziale Kompetenz“ ausgewählt. Gerda Köster betonte, dass es immer um Fach- und Führungsaufgaben gehe, jedoch ab einer gewissen Führungsposition der inhaltliche Aspekt nicht mehr vollkommene Berücksichtigung finden kann.

 

Dies bestätigt auch Helga Kockerols-Eßer (ene‘t GmbH)

„Wir arbeiten mit agilen Teams und haben keine Teamleiter. Ich selbst bin keine Softwareentwicklerin und verstehe die Technik nur eingeschränkt. Dennoch werde ich bei vielen auch technisch angelegten Gesprächen hinzugezogen, weil es unter der Oberfläche eben häufig nicht nur um Technik geht. Die „weicheren Faktoren“ haben sich im letzten Jahr schon positiv ausgewirkt, vielleicht auch weil ich anders agiere als männliche Kollegen in der Personalleitung.“

 

Im Hinblick auf die verschiedenen Generationen zeigte sich, dass es unter den Beschäftigten unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen gibt, auf die es als Führungskraft einzugehen gilt. So sieht es auch Isabell Schuller von der INFORM GmbH:

Das reine Abarbeiten von Anweisungen kennen vielleicht noch die Babyboomer. Die Generation Y tickt da anders: Sie möchte den Sinn ihrer Tätigkeiten verstehen.“

 

Auch auf die Entscheidung eine Führungsposition zu übernehmen hat das Generationendenken Einfluss.

„Ich habe es weniger mit Generation Z zu tun, aber mit Führungskräften, die noch kaum Entscheidungen und Verantwortung übernehmen möchten.“ (Daniel Koch, GAT)

 

Im Workshop wurde deutlich, dass die meisten Firmenchefs die Notwendigkeit für „Führung in Teilzeit“ noch nicht sehen und sich die Betriebe erst langsam an den Bedarf und die Lebensphasen der Mitarbeitenden anpassen. Die Teilzeitangebote werden einerseits erhöht, andererseits gibt es selten Teilzeit-Führungskräfte. Gerda Köster präsentierte die Studienlage und betonte, dass es ein Wegkommen von der Präsenzkultur geben muss und dass eine Ergebniskultur den Weg auch zur Teilzeitführung ebnen könne. Das digitale Event „Führung in Teilzeit“ fand unter den Teilnehmenden guten Zuspruch.

 

„Ich habe viele neue Impulse mitgenommen, nicht nur für das Thema Führung in Teilzeit, sondern auch für das Thema Führungs- und Unternehmenskultur ganz allgemein.“ (Isabell Schuller, INFORM GmbH)

 

„Ich finde, es ist ein spannendes Thema. Da müsste man manches auch umorganisieren und Aufgaben verteilen. Bei uns gibt es eine enorme Reisetätigkeit, die erschwert die Teilzeitarbeit. Das wird auch für uns alles noch interessant werden.“ (Dorothee Sauerwald, CAE Elektronik GmbH)

 

„Ich habe viele neue Aspekte mitgenommen, auch zum Thema Führung allgemein. Es war sehr belebend. Ich glaube schon, dass man bei uns in der Struktur Führung in Teilzeit gut umsetzen kann. Meine Herausforderung ist es da, zu überzeugen.“ (Daniel Koch, GAT)

 

Wir freuen uns schon auf die nächste Veranstaltung für und mit unseren Mitgliedsunternehmen „Familienfreundliche Unternehmen Ihrer Region“ – dann hoffentlich persönlich, live und in Farbe.